Perspektivenwechsel als Methode - Klaus Vollmer

ISBN 978-3-407-36667-2

In den Medien

> Weitere Informationen zu Presse / Rezensionen

Seit 13. März 2019 im lokalen Buchhandel, bei BELTZ

oder bei Amazon.

Die Chancen des Perspektiven­wechsels gezielt zur Persönlichkeits­entwicklung nutzen


Und täglich grüßt das Murmeltier! Wir alle kennen das Gefühl ständig wiederkehrender Probleme. Raus aus diesem Teufelskreis und hinein in die Vielfalt neuer Lösungsmöglichkeiten – das ist das Anliegen dieses Buches: Persönlichkeitsentwicklung durch den spielerischen Umgang mit Perspektiven.

Klaus Vollmer stellt praxisorientiert die unterschiedlichsten Möglichkeiten des Perspektivenwechsels vor und greift dazu auf Modelle, Theorien und Methoden der Psychologie zurück. Die Themenpalette ist dabei vielfältig: Innenperspektive, das Drehen in Zeitschleifen, Balance finden, Angst besiegen, Stärken und Ressourcen erkennen, die Big Five, Teamuhr und Belbin-Teamrollen, Dynamic Facilitation, bis hin zur Astronautenperspektive.

Das Großartige: Er veranschaulicht seine Ideen unterhaltsam durch filmische Beispiele sowie Techniken der Regie und Kamera. So vermittelt er fundiert und anschaulich zugleich, wie es gelingen kann, aus gewohnten Denkmustern und altbekannten Konfliktschleifen auszubrechen und die eigenen Stärken auszubauen. Und er gibt konkrete Handlungsanleitungen, die von Coaches, Beratern, Trainern und Führungskräften sowie von jedem interessierten Leser, der seine Persönlichkeit weiterentwickeln möchte, genutzt werden können.

Klaus Vollmer, Wirtschaftspsychologe, Senior-Coach (BDP) und Berater. Nach über zehn Jahren in verschiedenen Führungsfunktionen begleitet er von Essen aus seit 2000 freiberuflich Einzelpersonen, Teams und Unternehmen in Veränderungsprozessen. Zertifiziert für Hogan-Assessments, Belbin und PEP®.

Leseproben und Inhalt


Leseproben

Grußnote: Stark im Team

Mit diesem Buch eröffnet Klaus Vollmer eine umfassende Rundumbetrachtung zum immer relevanter werdenden Thema "Perspektivenwechsel" und widmet sich dabei auch eingehend der Teamarbeit und der Teamentwicklung.

Schon während ich die Einleitung zu diesem Buch las, wurde ich mit einer guten Portion Neugierde infiziert, wie dieses Thema von allen Seiten beleuchtet werden kann. Die sich während des Lesens immer weiter aufbauende Erwartungshaltung wurde am Ende mehr als übertroffen. Ich bin mir sehr sicher, dass es anderen Lesern genauso ergehen wird.

Klaus Vollmer schreibt in einer äußerst ansprechenden und leicht verständlichen Form, die einfach Lust auf die Methode des Perspektivenwechsels macht. Mit seinem Buch beleuchtet er die Teamarbeit und -entwicklung, und zugleich hebt er auch die einzelne Person hervor, die eine individuelle Leistung erbringt. Das ist gut so, denn nicht immer ist Teamarbeit verlangt, manchmal zählt die Einzelleistung. Teamarbeit ist nämlich kein Mantel der Tarnung und ebenso keine Modeerscheinung. Teamarbeit ist ein Erfolgsmodell, in dem Menschen über sich hinauswachsen können, weil sie sich gegenseitig zum Erfolg tragen. Und doch gibt es Situationen, in denen ein Mensch seinen Weg allein gehen muss, um leistungsstark zu sein. Diese Bandbreite hat Klaus Vollmer in seinem Buch herausgearbeitet.

Er gibt probate Hinweise, ob eine Leistung im Team oder durch Einzelpersonen erbracht werden sollte, und gibt Entscheidungsgrundlagen für Führungskräfte, Trainer und Coaches. Fest steht dabei: "Gleich und gleich gesellt sich gern" ist nicht angesagt. Sich gegenseitig ergänzen ist die Devise. Dies zu realisieren ist schwierig, denn eine Person geht in den seltensten Fällen auf eine andere Person zu, wenn diese anders "tickt". Wie das doch geschehen kann, wie eine Unterschiedlichkeit in Charakter und Zeittakt, in Werten und Wahrnehmung zu einer Bereicherung werden kann, das veranschaulicht Klaus Vollmer vor allem im fünften Kapitel unter der Überschrift "Diversität im Team".

Die Belbin-Teamrollenanalysen und die damit einhergehenden Berichte leisten hier einen wertvollen Beitrag. Uns als Belbin Deutschland freut diese Darstellung und wir verbinden die Veröffentlichung dieses Buches mit dem Wunsch, dass Teams sich finden, reiben, akzeptieren und dass sie erfolgreich werden und auch bleiben.

Stefan Bergander
Geschäftsführer Belbin Deutschland e. K.

Begleitwort: Von der Idee zum Film

Am Anfang ist die Idee. Was aus ihr wird, das ist zunächst ungewiss, ist nicht berechenbar. Eine Idee kann nur kurz aufblitzen und dann wieder aus den Gedanken verschwinden, weil Alltägliches sie verdrängt. Oder sie kann sich festsetzen, sich über Tage, Wochen, manchmal Jahre bemerkbar machen, sich fest im Bewusstsein verankern. Dann kann es sein, dass diese Idee kraftvoll wird, eine Form annimmt, die Sinne streift. Das ist der Moment, in dem ich als Filmproduzentin aufmerksam werde.

Ich stelle mir konkret vor, wie es wäre, aus dieser Idee einen Stoff für einen Film zu entwickeln, ein Team zu bilden, eine Leidenschaft für das Projekt zu wecken, es aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten, Hürden und Kritik vorherzusehen und doch begeistert zu bleiben, am Ende ganz sicher zu sein: Dieser Film wird entstehen!

Was folgt, ist die Arbeit im Team. Sie besteht aus Drehbuchautor, Regisseur, aus Schauspielern, Assistenten, Kameraleuten, Technikern, Beleuchtern, Beratern. Wir gemeinsam gestalten den Stoff, spannen die Bögen mit Technik und Kreativität. Wir diskutieren, lachen, hoffen miteinander. Wir geben unser Bestes als Mannschaft am Set. Ohne Team können Ideen entstehen, aber kein Film, kein "Kunstwerk". Um Großes zu schaffen, brauchen wir viele Einzelne und deren Perspektiven.

Wenn ich an "Blind Date mit dem Leben" denke, den Kinofilm, den ich produzierte und den bis heute fast eine Million Menschen sahen, dann erinnere ich mich an die Drehtage, in denen die Kamera umso eindrucksvoller war, weil sie die Bilder verschwimmen ließ, weil sie sich traute zu zeigen, was nicht üblich war: die Perspektive des fast blinden Protagonisten. Wir haben lange diskutiert, ob wir diese Sicht den Zuschauern so zumuten können – und haben es letztendlich gewagt.

Dass "Blind Date" solch ein großer Erfolg wurde, liegt nach meiner Einschätzung daran, dass wir eine für die meisten Menschen unbekannte Perspektive wagten – und damit Spannung erzeugten und auch die Einsicht: Das Leben ist voller Chancen, sobald ein Mensch, was immer geschieht, an sein Potenzial glaubt.

Als Klaus Vollmer mich fragte, ob ich ein Begleitwort für sein Buch schreiben möchte, habe ich gern Ja gesagt. Denn sein Buch handelt von den Möglichkeiten, die sich im ganz alltäglichen Leben öffnen, wenn Menschen nicht starr nach einem Muster agieren, sondern neugierig bleiben, offen sind und doch niemals aufhören, an die eigenen Fähigkeiten zu glauben. Diese Haltung habe ich oftmals eingenommen und am Ende gemerkt: Es war der richtige Weg.

Ich halte diesen offenen und weiten Blick für erfolgsentscheidend und ebenso weiß ich um den Wert der eigenen Klarheit. Beides beleuchtet Klaus Vollmer in einer wissenschaftlichen Weise und verdeutlicht seine Perspektiven-Erkenntnisse durch Beispiele sehenswerter Filme. An manchen Stellen kam es mir beim Lesen vor, als würde er zwischen den Zeilen den Kamerafrauen und -männer seinen besonderen Respekt ausdrücken. Und spätestens da war ich ganz bei ihm, denn die Kamera ist es, die Stimmungen erzeugt, einfängt und vermittelt. Sie kann statisch und bewegt sein, kann Momente entschleunigen, verzögern oder feiern. Sie kann sie verzerren und genau durch diese Unschärfe neue Horizonte öffnen.

Ich wünsche dem Buch zahlreiche Leser, und den Lesern spannende Ideen, Projekte und Ziele, die mit dem Perspektivenwechsel eine erfrischende Leichtigkeit erhalten werden.

Tanja Ziegler
Filmproduzentin

Einleitung

Es war eine einzige Frage, die mich aufrüttelte. Wahrscheinlich war sie gedacht als Plauderei, als ein thematisches Einsprengsel zwischen Aperitif und Vorspeise oder als Interesse an meiner Arbeit. Wir saßen an einem Freitagabend im Februar 2017 zusammen mit guten Freunden in der kleinen Bar da Carmelo in Köln, um bei gutem Essen die Woche ausklingen zu lassen. In dieser Bar vermischt sich italienische Leichtigkeit mit rheinländischem Charme. Seit Jahren fühlen sich viele Gäste hier wie zu Hause. Es ist laut, lebendig, herzlich. Eine Szenebar, die keiner stylishen Kühle bedarf, weil sie eine Seele hat. Der Vater kocht, Angela, die Tochter, serviert. Alles wird frisch zubereitet. Convenience Food ist ein Schimpfwort. Hier sind die Tischdecken rot-weiß kariert, die gespachtelten Wände bieten eine Fläche für Kölner Kunst.

Während wir bei italienischem Rotwein und selbstgebackenem Rosmarinbrot über die Ereignisse und Erlebnisse der letzten Wochen redeten, lehnte sich plötzlich mein Freund vor. In die gute Stimmung hinein fiel die Frage auf den Tisch: "Hey Klaus, was macht eigentlich dein Buch?" Was nett gemeint war, traf mich tief im Inneren.

Seit ich mich mit dem Perspektivenwechsel beschäftigte, seit ich ihn zum Instrument formte, um Blockaden, Konflikte, Krisen zu lösen und eine empathische Kommunikation zu fördern, seither spielte ich mit dem Gedanken, meine Erkenntnisse und Überlegungen zwischen Buchdeckel zu packen. Ich erzählte Familie, Freunden, sogar meinen Kunden oft von diesem Buch, denn im Kopf blätterten sich bereits die Seiten auf: Ich kannte die These, die Struktur, die Abbildungen. Der Inhalt Der Inhalt würde von der subjektiven Wahrnehmung und den sich daraus ergebenden Konflikten zwischen zwei Menschen handeln. Ich wollte das komplexe Bild der individuellen Wahrheit nachzeichnen, das aus Temperament, Erfahrungen, Kultur und auch der Sehnsucht nach einem guten Leben bestand. Und während ich in den vergangenen 25 Jahren in die Tiefen des Themas vordrang, offenbarte sich das augenscheinliche Dilemma: Niemand wird jemals das Bild des anderen in Gänze erfassen. Das ist gehirnbedingt.

Wenn wir bedenken, dass 100 Milliarden Nervenzellen im Gehirn sich zu Billionen von Synapsen verbinden und ihre Reize im Sekundentakt weiterleiten, dann wird deutlich: Es entsteht eine schier unendliche Zahl von Möglichkeiten, eine Situation wahrzunehmen, sie zu interpretieren und auf sie zu reagieren. Und doch sind wir fähig, Kommunikation zu gestalten und einzuschätzen. Es wird umso besser gelingen, je mehr Menschen sich trauen, aus ihren Mustern herauszutreten und sich vorzustellen, wie der andere fühlt, denkt, handelt.

Wie wäre es, fragte ich mich, wenn wir ein Miteinander wie ein Regisseur begleiten würden? Wir würden mit Distanz und Nähe, mit der Helligkeit und der Blende, mit Schärfe und Unschärfe spielen. Wir würden die Perspektive wechseln, um einer Szene einen 360-Grad-Blick zu verleihen. Dann würden wir, so meine These, Verhärtungen in der Kommunikation lösen, weil wir Standpunkte veränderten und Motiven unsere so geschätzte Schärfe nähmen. Zumindest für eine kleine Sequenz würden wir die Komfortzone verlassen und uns auf ein neues Terrain wagen. Wir könnten uns jederzeit wieder zurückziehen in die eigene Gedankenwelt, um uns wieder sicher zu fühlen. Aber wir würden Eindrücke mitnehmen und neue Impulse erhalten.

Ja, das sei sinnvoll, meinten meine Zuhörer. Ein solches Wagnis könne zu mehr Lebensfreude führen, zu mehr Gefühl füreinander und manchmal zu Glück. Das hörte ich gern, ich sammelte diese Bemerkungen, schrieb sie in mein kleines schwarzes Notizbuch, sie sollten mir eine Anregung sein. Irgendwann, so sagte ich mir, würde ich den Schreibimpuls spüren und dann sofort loslegen, einen Sprint hinlegen über die Seiten und den Schlusspunkt nach kurzer Zeit setzen. Nur vom Träumen entsteht kein Buch. Auch hier gilt der Satz: Erfolg heißt tun. Dann wurde es ruhig um mein Thema Buch. Es verlor seine Brisanz und war fast im Unterbewusstsein verschwunden, dort wo die vergessenen Ideen ruhen. Und nun holte mein Freund die Idee mit einer einzigen Frage wieder hervor: "Was macht eigentlich dein Buch?"

Ich sah mich im Lokal um, atmete langsam, streckte die Zeit. Aber die Frage warf ein Echo, sie verhallte nicht. Mein Blick verweilte am Nebentisch, während ich eine glaubwürdige Antwort formulierte. Sollte ich sagen, ich habe losgelassen von diesem aufwendigen Projekt? Oder sollte ich sagen, ich befände mich noch in der Phase des Sammelns und des Strukturierens? Und dann traute ich meinen Augen nicht, nur einen Tisch entfernt erkannte ich Christine Westermann. Ich grüßte die bekannte Journalistin, Autorin und Mitgastgeberin des literarischen Quartetts, griff nach meinem Glas Wein, hob es an, sie grüßte zurück und ich nahm diesen schönen Zufall als Zeichen. Ich wandte mich wieder meinem Freund zu und sagte: "Ist in Arbeit." Noch in dieser Nacht begann ich zu schreiben. Es sollten zahlreiche Nächte folgen.

Einige Grundlagen für meine Erkenntnisse des Perspektivenwechsels als persönliche Entwicklungsstrategie gehen aus der Belbin-Methode hervor. Ich nutze diese Methode in meinen Unternehmensberatungen, um Teams optimal aufzustellen. Für mich hat diese Analyse bis heute nichts an Strahlkraft verloren, und sie wird umso glänzender, je mehr wir ihr die Fähigkeit des Perspektivenwechsels hinzufügen.

R. Meredith Belbin, der britische Wirtschaftspsychologe und Managementforscher, fand in den 1970er-Jahren heraus, dass nicht diejenigen Teams ihre Ziele erreichen, deren Mitarbeiter in bester Weise ausgebildet sind. Nein, entscheidend für eine erfolgreiche Teamarbeit war aus seiner Sicht die Vielfalt der Charaktere der einzelnen Teammitglieder! Diesem Ansatz folgen auch Stärkenforscher: Es sind die unterschiedlichen Sichtweisen auf ein Problem, die unterschiedlichen Rhythmen, mit denen die Teammitglieder ihre Aufgaben erledigen. Das klingt zunächst eher nach einem Konfliktpotenzial als nach Harmonie. Aber dennoch gilt: Wo der eine Routinier ist, ist der andere ein Ideenfinder, wo einer sich in Details hineinkniet, schiebt der andere bereits ein nächstes Projekt an. Wo einer sich auf Logik verlässt, will der andere frische Kreativität in die Prozesse einbringen. Um diese Stärken und Schwächen zu erkennen, sie besser bei sich und den anderen einzuschätzen und mit ihnen optimal umzugehen, ist ein Perspektivenwechsel häufig genau das richtige Mittel. Erst in dieser Art lassen sich Stärken und Schwächen im Team ausbalancieren, lassen sich wertschätzend die Unterschiede konstruktiv für das gemeinsame Ziel zusammenführen und nutzen.

Ich habe diesen nach wie vor modernen Managementansatz auf den Alltag heruntergebrochen, habe ihm eine weitaus größere Zielgruppe gegeben. Denn der Ansatz der Diversität, die Akzeptanz von Unterschiedlichkeit, betrifft Paare, Familien, Freunde, Vereine, Unternehmen, er kann Gesellschaften, gar Nationen verbinden. Sobald Menschen zusammenkommen und nach Wahrheiten suchen, sobald Kommunikation mehr ist als ein Stilmittel, sobald sie der Kitt für gegenseitiges Verständnis ist, wird ein Perspektivenwechsel zur Kunst.

Kaum jemand hat das eindrucksvoller dargestellt als der japanische Illusionskünstler Shigeo Fukuda. Er schuf seine dreidimensionale Skulptur "Encore" aus weißem Holz. Wer sie umschreitet, erkennt zunächst einen Mann am Klavier und nur wenige Schritte weiter und aus einem etwas anderen Blickwinkel sieht er einen Violinenspieler. Illusion oder Wahrheit? Oder subjektives Empfinden? Der Standpunkt entscheidet und darüber hinaus die Vorstellungskraft des Betrachters. Wahrheit und Perspektive sind für mich die Schlüsselwörter für eine offene Kommunikation. Sie bilden den Kern für die persönliche Entwicklung und ebenso für gelingende Beziehungen. Der Moment des Perspektivenwechsels ist der Moment, in dem wir festgefahrene Erwartungen loslassen, in dem wir Sauerstoff für neue Gedanken atmen und manchmal dabei staunen.

Sie werden in meinem Buch deshalb eines nicht finden: eine Anleitung zum Handeln. Es ist kein Buch mit fertigen Rezepten für Verhalten in schwierigen Situationen und dem Versprechen, für die Herausforderungen im Leben immer die richtige Antwort zu kennen.

Was ich mir wünsche, ist Ihre Offenheit für dieses Thema und auch die Fantasie für Mögliches. Sobald Sie wie ein Kameramann die Situationen betrachten und sich überlegen, ob Sie ein Panorama wählen, eine Totale oder eine Nahaufnahme, werden Sie feststellen, dass Motive sich verändern, dass Wahrheitsräume sich öffnen oder schließen. Sie dürfen für eine Zeit andere Menschen ins Licht rücken, dürfen erahnen, was deren Intention zum Handeln ist. Sie dürfen sich mit kreativen, visionären, routinierten oder analytischen Menschen ganz im Sinne Belbins umgeben und deren Wahrheiten als Inspiration annehmen. Es macht Freude, außergewöhnlichen Menschen zuzuhören, ihre Gedanken für eine Weile groß werden zu lassen! Aber eines sollten Sie nicht: Ihre eigene Wahrheit unterdrücken. Vielmehr ist es mir ein Anliegen, diese zu schützen. Sehen Sie genau hin, spielen Sie mit den unterschiedlichen Perspektiven – und dann drehen Sie sich um und machen Ihr eigenes Ding. Diese Haltung, das verspreche ich Ihnen, ist ein bedeutsamer Teil für ein gutes Leben.

Was Sie auf den nächsten fast 300 Seiten finden werden, ist ein Training für den Perspektivenwechsel und – wie ich hoffe – die Freude und Lust an dem Spiel mit den unterschiedlichen Perspektiven. Es ist eine Einladung, das Wechseln der Blickrichtung im Umgang mit sich selbst und anderen zur Selbstverständlichkeit werden zu lassen und dadurch neue Gestaltungsmöglichkeiten und verborgene Lösungen zu entdecken.

Sie werden zukünftig selbst Regie führen und die Wahrheiten der anderen in einer ungewöhnlichen Art beleuchten. Sie werden wissen, wo Empathie angebracht ist und wo Sie besser einen Cut setzen, um sich zu schützen. Lassen Sie sich auch inspirieren von einem Filmbeispiel, das ein jedes Kapitel begleitet. Lesen Sie die Kapitel der Reihe nach. Sie bauen aufeinander auf wie ein Fortsetzungsfilm von der ersten Szene bis zum Happy End.

Beginnen wir mit der Zeit, mit dem Phänomen, das jegliche Kommunikation umhüllt oder stört, denn die Zeit bleibt ein entscheidender Faktor für Erfolg.

Ihr
Klaus Vollmer

Inhalt

  • Spot auf die Zeit
  • Und täglich grüßt das Murmeltier
  • Gefühlte Zeit ist niemals Lüge
  • Das Feuern der Neuronen
  • Wenn Emotionen stumpf werden
  • Erfolg macht willenlos
  • Fünf-Minuten-Innenperspektive für die innere Stärkung
  • Spot auf die älteste Emotion
  • Zwei Arten der Angst
  • Frühstadium der Angst
  • Ein Anker für den Mut
  • Ziemlich beste Freunde
  • Typen der Angst
  • Angstfrei durch Perspektivenwechsel
  • Spot auf die innere Mitte
  • Die Erwartungen der anderen
  • Rechte Hand vor linker Hand
  • Der Punkt in der Mitte
  • "Zeige dich – aber bewusst!"
  • Was vom Tage übrig blieb
  • Balance zwischen Autonomie und Beziehung
  • Spot auf die innere Vielfalt
  • Auf der Suche nach dem Ich
  • Motivation zum Handeln
  • Inside out
  • Spot auf die äußere Vielfalt
  • Die Anziehungskraft des Gleichen
  • Diversität im Team
  • Scout für Topspieler
  • Ocean's Eleven
  • Spot auf das Verstehen
  • Ich sehe was, was du nicht siehst
  • Das Leben ist kein Wunschkonzert
  • In den Gängen
  • Innenkonflikt lösen
  • Außenkonflikt lösen
  • Kompromiss für die persönliche Freiheit
  • Spot auf das Wachstum
  • Zeiten der Veränderung
  • Reflexion für Forgeschrittene
  • Tanz zwischen den Zonen
  • Fragen als Antrieb
  • Ku'damm 56 und 59
  • Spot auf die Astronautenperspektive
  • Hoch, höher, rein ins Raumschiff
  • Wünschen, Wollen, Hindernisse
  • Glück ist kein Charaktermerkmal
  • Die Überglücklichen
  • Spot auf die "Stern"ziele
  • Ein bisschen Schmerz gehört zum Wachsen
  • Der Gap zwischen unternehmerischen und persönlichen Zielen
  • Wo das Kraftfeld liegt
  • Der Ratgeber im inneren Team
  • Harold und Maude
  • Spot auf die innere Heimat
  • Ein Wort zur Sturheit
  • Wo das Ausbrennen beginnt
  • Die Quelle für Entwicklung
  • Die kleinen Dramen im Alltag
  • Blind Date mit dem Leben
  • Spot auf den gesunden Egoismus
  • Sich selbst schützen
  • Zwei Seiten der Empathie
  • Wachsen durch Mitgefühl
  • Lola rennt
  • Ganz einfach miteinander
  • Danke
  • Über den Autor

Presse / Rezensionen


Klaus Vollmer: "Perspektivenwechsel als Methode
273 Seiten, Beltz 2019, 34,95 Euro

Trainingaktuell

Klaus Vollmer: Perspektivenwechsel als Methode

Persönlichkeitsentwicklung trifft auf Filmbusiness: Das klingt nach einer vielversprechenden Herangehensweise, besonders wenn es um die individuelle Lösungsfindung bei unterschiedlichen Befindlichkeiten, Ängsten und persönlichen Sackgassen geht. Auf Grundlage dieser Verknüpfung gestaltet der Autor und Berater Klaus Vollmer seinen Therapieansatz „Problembewältigung durch Perspektivenwechsel“, den er interessierten Trainern, Beraterinnen und Führungskräften vorstellt.
Gekonnt geht der Autor in 12 Kapiteln dabei mit cineastischen Metaphern um, so zum Beispiel „Regisseur des eigenen Lebens zu sein“, „Sein Drehbuch umzuschreiben“ oder „Den Spot auf die Stärken zu richten“. Inhaltlich widmet er sich den Klassikern des Persönlichkeitscoachings, darunter finden sich Hauptthemen wie Umgang mit Angst und Konflikten, positives Denken und Glück sowie Zeitmanagement und Zielsetzung.

Der rote Faden seiner Vorgehensweise und seines Ansatzes zum Perspektivenwechsel zeigt sich exemplarisch beim Thema „Eigene Angstknoten lösen“. Vollmer informiert zu wissenschaftlichen Hintergründen der Angsttherapie, untermauert – wo nötig – mit neurobiologischen Erkenntnissen, und bezieht sich auf die einschlägige Literatur, die er am Kapitelende aufführt. Gleichzeitig lesen sich seine Ausführungen sehr lebendig, was zahlreichen Fallbeispielen, persönlichen Anekdoten und zwischengestreuten Übungen, wie Gedankenreisen und Selbstreflexionen, zu verdanken ist.

Passend zu jeder in den Kapiteln genannten Thematik weist er auf die filmische Umsetzung der besprochenen Problematiken hin. Dies kann ein Ansporn sein, Filme wie „Ziemlich beste Freunde“ oder „Was vom Tage übrigblieb“ unter neuen Perspektiven wie Mut, Selbstverantwortung und gesundem Egoismus zu betrachten. Damit neue Blickrichtungen eingenommen werden können, stellt Vollmer zahlreiche Übungen vor, unter anderem die Zeitschleife, die Astronauten- oder die Filmvorführerperspektive.

TA­-Fazit: Sehr ansprechender und gut ausgearbeiteter Ansatz für eine breite Zielgruppe.

© Trainingaktuell, Martina Cyriax

https://www.managerseminare.de

Klaus Vollmer:
"Perspektivenwechsel als Methode: Strategien, Tools und Übungen zur Persönlichkeitsentwicklung",
Beltz Verlag, Weinheim 2019, 273 Seiten, 34,95 Euro

wirtschaft + weiterbildung

Fantasie einschalten

Dieses Buch ist ein echter Knüller im Beltz-Frühjahrsprogramm. Klaus Vollmer, ein erfahrener Trainer, Berater und Coach (BDP), gibt sein Wissen über die Menschen und ihre inneren Nöte in einem sehr warmherzig geschriebenen Buch weiter. Sein Anliegen ist die Persönlichkeitsentwicklung durch den spielerischen Umgang mit Perspektiven.

Perspektivenwechsel bedeutet, Menschen dazu anzuleiten, aus gewohnten Denkmustern und altbekannten Konfliktschleifen auszubrechen. Einem Menschen, der voller Empathie mit einem Pechvogel mitleidet, bis er selbst emotional völlig ausgelaugt ist, empfiehlt Vollmer zu Beispiel, sich vorzustellen, er beobachte das Leiden durch eine Kamera. Dieser Puffer bringe Distanz, schwäche die Gefühle des Beobachters ab und helfe den nötigen Abstand zu wahren, um handlungsfähig zu bleiben, so der Diplom-Psychologe.
 Der Mitleidende könne die imaginäre Kamera schließlich auch auf sich selbst richten und kritisch beobachten, wie es ihm gerade geht. Vollmers Botschaft: Der Perspektivenwechsel zählt in vielen Situationen zu den mächtigsten Tools, die einem zur Verfügung stehen. Er schärft die Sinne und nutzt die Intuition.

Von Klaus Vollmer - 27. Juni 2019

Kino und Teambuilding: 5 Filmtricks für erfolgreiches Management

Als Teamleiter bist du der „Regisseur“ deiner Mannschaft. Nutze das Know-how erfolgreicher Filmemacher, um deine Crew zum Erfolg zu führen. Dein wichtigstes Requisit: der Perspektivenwechsel.

1. Setze auf verschiedene Charaktere

Das A-Team oder die Ocean’s Eleven machen es vor: Komplexe Herausforderungen sind nur mit unterschiedlichen Persönlichkeiten zu bewältigen. Denn kein Teammitglied vereint alle notwendigen Fähigkeiten in sich. Doch da beginnen schon die Probleme:

  • Erstens ziehen uns Gleichgesinnte magisch an (die Wissenschaft bezeichnet das als Similarity Attraction Effect).
  • Zweitens betrachten wir Andersgeartete als bedrohlich oder unsympathisch.

Trotzdem: Besetze dein Team mit unterschiedlichen Charakteren. Denn nur durch die Summe all ihrer Stärken gelangt ihr zum Erfolg. Um den nötigen Teamspirit zu wecken, animiere deine Crew zum Perspektivenwechsel. Wer die anderen unter dem Gesichtspunkt ihrer abweichenden Fähigkeiten betrachtet, wird ihre Andersartigkeit auf einmal als Vorteil für den eigenen Erfolg begreifen.

2. Diese Teamrollen solltest du besetzen

Die Einsicht in die Notwendigkeit verschiedener Rollen ist der erste Schritt. Der zweite ist die richtige Besetzung. Je nach Teamgröße und Aufgabe sollten diese Charaktere nicht fehlen:

  • der handlungsorientierte „Macher“
  • der soziale „Teamarbeiter“
  • der schnelle „Wegbereiter“
  • der nach innen gewandte „Perfektionist“
  • der kreative „Neuerer“ in Kombination mit dem pragmatischen „Umsetzer“
  • der zuverlässige „Koordinator“
  • der „Beobachter“ für die rationale Sicht von oben
  • der „Spezialist“ mit dem nötige Fachwissen

3. Zoom bei Teamkonflikten aus der Szene heraus

Sollte es im Team einmal richtig krachen, müssen alle möglichst schnell raus aus der Sequenz. Sonst kann die Situation auf destruktive Weise eskalieren. Häufig sind wir zu nah am Geschehen, haben unsere innere Kamera auf Zoom gestellt. Das lässt die Emotionen hochkochen. Also heißt es: Schnitt – und weg von dieser Nahaufnahme des persönlich eingeschränkten Blickwinkels.

Schickt die Kamera zusammen mit einer Drohne in die Vogelperspektive – so hoch, bis die Totale der Situation erkennbar wird. Von dort ist es für das Team wieder möglich, das Verbindende zu sehen.

4. Sorge für die richtige Beleuchtung von Spannungen

Wenn die Perspektive wieder stimmt, ist es Zeit für die Wahl der richtigen Scheinwerfer. Am besten ist es, wenn ihr gemeinsam eure unterschiedlichen Sichtweisen beleuchtet und prüft, wo es Überschneidungen und Unstimmigkeiten gibt. Stellt euch die Fragen:

  • Was ist im Fokus jedes einzelnen, wenn er/sie auf die Aufgabe schaut?
  • Was ist sein/ihr besonderer Beitrag und was würde fehlen, wenn dieser Blickwinkel nicht vertreten wäre?

Erst, wenn jeder die Gelegenheit hatte, seine eigene Sichtweise zu schildern und sich von der positiven Absicht der anderen überzeugen konnte, ist diese „Szene“ im Kasten.

5. Lass den Humor nicht zu kurz kommen

Nicht umsonst sind viele Blockbuster Komödien: Humor ist ein verbindendes und befreiendes Element.

Wichtig ist nur, miteinander statt übereinander zu lachen.

Wer die Aufgaben heiter angeht und die Andersartigkeit der Teammitglieder mit einem Augenzwinkern betrachtet, ist von der Erfolgsspur nicht mehr zu verdrängen. Nehmt euch Ocean’s Eleven als Vorbild. Dann seid auch ihr ein echtes Dreamteam.

Nachspann: Das Große und Ganze

Es hat sich gezeigt: Cinematographie und Teambuilding haben vieles gemeinsam. Und die filmische Technik des Perspektivenwechsels kann erheblich zum Erfolg beitragen. Sie fördert die Wertschätzung für den anderen und erleichtert den Blick auf das Große und Ganze.

Von Kirsten Simon

Essener Psychologe verrät Auswege aus Sackgassen des Alltags

Klaus Vollmer in seinem Arbeitszimmer. In der Hand hält der Wirtschaftspsychologe aus Essen sein Buch „Perspektivenwechsel als Methode“.
Foto: Socrates Tassos

Essen

Der Essener Psychologe Klaus Vollmer verrät in einem Buch, wie man festgefahrene Konflikte behebt. Das gilt für Privatleben und Job.

Im Job hat man sich gerade erst in einer Endlos-Debatte verheddert, da hängt zu allem Überfluss nach Feierabend auch noch der Haussegen schief. Diskussionen drehen sich im Kreis, Lösungen scheinen so weit entfernt, dass man sie noch nicht einmal mit einem Teleskop entdecken kann. – An dieser Stelle kommt der Essener Wirtschaftspsychologe Klaus Vollmer ins Spiel. Er hat ein Buch geschrieben, das Wege vorstellt, mit denen gewohnte Denkmuster und Konfliktschleifen verlassen werden können.

Die Einbahnstraße im Kopf soll endlich eine Ausfahrt bekommen. „Perspektivenwechsel als Methode“ heißt der Ratgeber (275 S., Beltz-Verlag, 35 Euro inkl. E-Book). Das klingt vielleicht nicht so verträumt wie der Titel der nächsten Rosamunde-Pilcher-Verfilmung, steckt aber voller Inspirationen für viele Lebenslagen. „Es ist ein Buch für jedermann“, sagt der Autor.

Tipp: Eine Laudation auf sich selbst schreiben

Er gibt Tipps weiter, die man gerne befolgt. Beispielsweise diesen: „Schreiben Sie eine Laudatio auf sich selbst. Die Überschrift könnte heißen: Danke für diese Leistung.“ Eine ungestörte halbe Stunde Zeit werde wohl benötigt, um zu notieren, was einem im letzten halben Jahr alles gelang, was einen aus dem Mittelmaß heraushob. „Vielleicht können Sie schon beim Schreiben spüren, wie Sie diese Worte beflügeln. Mit dieser Methode erreichen Sie innere Kraft und wohltuende Balance.“

Schlüsselerlebnis: Funkstille zwischen Chef und Mitarbeitern

Ein Schlüsselerlebnis für das Buch erlebte Klaus Vollmer vor 15 Jahren. Damals war er zu einem Unternehmen gerufen worden, bei dem zwischen Chef und Mitarbeitern komplette Funkstille herrschte. „Ich musste sie dafür gewinnen, in dieser verfahrenen Situation offen für die Sichtweise der anderen Seite zu sein“, erzählt der Psychologe. Zu Beginn seiner Vermittlungsarbeit hat er dem Team das Foto einer Skulptur aus einem Park in Tokio gezeigt. Von der einen Seite sieht das Kunstwerk aus wie ein Pianist, von der anderen Seite wie ein Geigenspieler. Soll heißen: Wenn zwei auf etwas schauen, sehen sie noch lange nicht das selbe. Vieles hängt von der Perspektive ab.

Reden kann helfen, solche Konflikte zu lösen. „Man muss deshalb nicht die Sichtweise des anderen übernehmen, aber man lernt nachzuvollziehen, wie er darauf gekommen ist und entdeckt neue Gestaltungsmöglichkeiten und verborgene Lösungen“, sagt Vollmer.

Wirtschaftspsychologe Klaus Vollmer vor seiner Bücherwand. Darin steht neuerdings auch sein eigenes Buch „Perspektivenwechsel als Methode“.
Foto: Socrates Tassos

Moderatorin Christine Westermann hat den letzten Anstoß für das Buch gegeben

In seinen mehr als 30 Jahren im Beruf hat der 58-Jährige diese Erfahrung immer wieder gemacht und er gibt sie gerne in seinen Veranstaltungen weiter. Nun also hat er auch ein Buch zu seinen Handlungsempfehlungen geschrieben. Bis es im März vorgestellt werden konnte, verstrich allerdings einige Zeit. Der Plan stand längst, im Kopf und auf Notizzetteln hatte er viele Ideen gesichert. Was noch fehlte, war der letzte Schritt. Der folgte Ende 2017. Klaus Vollmer saß mit Freunden in einem Kölner Restaurant zusammen, als einer aus der Runde fragte: „Was ist eigentlich mit deinem Buch?“ – Am Nebentisch saß Christine Westermann. „Deutschlands Buchikone. Das war ein Zeichen“, sagt der Essener. Kurz darauf begann er das erste Kapitel.

Mal in die Rolle des Dalai Lama schlüpfen, mal ein Komiker sein

Mit seinem Buch richtet sich der Autor an Coaches, Berater und Führungskräfte, aber auch an jeden anderen, der seine Persönlichkeit weiterentwickeln möchte. Es ist lehrreich, aber doch unterhaltsam geschrieben und leicht verdaulich. Heißt: Man muss weder einen Doktortitel in Psychologie tragen, noch ein börsennotiertes Unternehmen leiten, um die Empfehlungen zu verstehen. Es kann allerdings nicht schaden, etwas Experimentierfreude und Spaß am Spiel für die Lektüre mitzubringen. Denn für eine neue Perspektive ist manchmal ein Rollenwechsel nötig.

Zum Beispiel in dem Kapitel über den Weg zu mehr Glück. Da darf man mal der Komiker sein, mal der Samariter und mal der Dalai Lama. Aber, ganz wichtig: Bei allen Experimenten sollte man immer der Regisseur seines eigenen Lebens bleiben.

Das Buch der Woche, Erfolgs- und Karrierestrategien

Perspektivenwechsel als Erfolgsmethode

Der Kollege, der nie etwas richtig macht, das Projekt, das einfach nicht fertig wird, die allgemeine Unzufriedenheit mit dem aktuellen Job? Ein Perspektivenwechsel kann hier helfen.

Klaus Vollmer zeigt in seinem neuen Ratgeber „Perspektivenwechsel als Methode“, wie wir aus dem Perspektivenwechsel ein Tool für eine bessere Persönlichkeitsentwicklung machen.

Gleiche Tatsachen – unterschiedliche Wahrnehmung

Was ein Perspektivenwechsel ausmacht, zeigt der Necker-Würfel. Sie kennen das Phänomen der optischen Täuschung sicher: Je nachdem, welche Perspektive wir einnehmen, schauen wir von links unten oder von oben rechts auf den Gitterwürfel. Eine ähnliche philosophische Fragestellung ist, ob das Glas Wasser halb voll oder halb leer ist.

Wie wir auf die Welt und uns selbst schauen, beeinflusst unsere Persönlichkeit und unser Handeln – und damit auch unsere Chancen auf Erfolg im Job und im Privatleben. Der Wirtschaftspsychologe Klaus Vollmer finde die Idee des Perspektivenwechsels so spannend, dass er sie in seinen Coachings einsetzt. In seinem Ratgeber „Perspektivenwechsel als Methode“ zeigt er in einer unterhaltsamen erzählerischen Form, wie wichtig es für uns ist, unser Leben und unsere Ziele hin und wieder aus einer anderen Perspektive wahrzunehmen.

Setzen wir den Spot auf die wichtigsten Dinge in unserem Leben

Vollmer nutzt eine einprägsame Bildsprache, um die Kraft des Perspektivenwechsels deutlich zu machen: Wir sind die Regisseure unseres Lebens, und wie in jedem Film gibt es einen Plot. „Sobald Sie wie ein Kameramann die Situationen betrachten und sich überlegen, ob Sie ein Panorama wählen, eine Totale oder eine Nahaufnahme, werden Sie feststellen, dass Motive sich verändern, dass Wahrheitsräume sich öffnen oder schließen“, so Vollmer.

Vielleicht dachten Sie bisher, Sie hätten nicht das Zeug zur Führungskraft, weil das Erfolgsgen scheinbar nicht in Ihrer Familie liegt – was Ihnen auch immer wieder klar gesagt wurde. Aus dieser Position und Erziehung heraus nehmen Sie gar nicht wahr, dass Sie bereits einige Projekte zum Erfolg geführt haben und die Teamleitung Sie bereits ermuntert hat, die nächste Stufe der Karriereleiter zu erklimmen.

Der Perspektivenwechsel im Coaching

Vollmer legt in seinem Ratgeber ein ganzes Spektrum an Möglichkeiten vor, in denen ein Perspektivenwechsel für unsere Persönlichkeitsentwicklung wichtig ist. Sei es, dass wir anerkennen, dass unsere Persönlichkeit niemals komplett ist, sondern sich mit unserer Umgebung und neuronalen Prozessen ständig wandelt. Oder dass wir erkennen, dass wir unser Leben jederzeit in eine andere Richtung drehen können, weil wir die Regisseure unseres Lebens sind.

Die Methode des Perspektivenwechsels kann aber auch von Coaches und Trainern angewendet werden. Wenn Veränderungsprozesse anstehen oder es Konflikte im Team gibt, hilft es, einmal aus der eigenen Position herauszutreten und zu überlegen, was ein Team erfolgreich macht.

„Es sind die unterschiedlichen Sichtweisen auf ein Problem, die unterschiedlichen Rhythmen, mit denen die Teammitglieder ihre Aufgaben erledigen“, so Vollmer. Im Coaching können Mitarbeiter und Führungskräfte gemeinsam daran arbeiten, die Perspektiven auf ein Projekt auszuloten und herauszufinden, wer was gut kann. „Um diese Stärken und Schwächen zu erkennen, sie besser bei sich und den anderen einzuschätzen und mit ihnen optimal umzugehen, ist ein Perspektivenwechsel häufig genau das richtige Mittel.“

Roter-Reiter-Fazit:
Klaus Vollmer bietet Trainern, Coaches und Beratern in seinem Ratgeber sehr gut aufbereitete wissenschaftliche Fakten zur Persönlichkeitsentwicklung und zu deren psychologischen und neurologischen Grundlagen sowie konkrete Handlungsanleitungen für den eigenen Perspektivenwechsel.

Klaus Vollmer: Perspektivenwechsel als Methode. Strategien, Tools und Übungen zur Persönlichkeitsentwicklung. Mit Beispielen aus Film, Regie …
Beltz, Weinheim 2019.
273 Seiten, 34,95 Euro.
ISBN: 3407366671

Quelle: www.roter-reiter.de

Artikel startupvalley.news, 06.06.2019

Perspektivenwechsel als Schlüssel zum effektiven Teambuilding

Gerade Startups müssen häufig in kurzer Zeit Teams aufbauen. Damit diese gut funktionieren, gibt es einiges zu beachten. Mit diesen 7 Tipps machst Du Deine Mannschaft dauerhaft erfolgreich:

Tipp 1: Betrachte Teambuilding als Daueraufgabe

Sich im Klettergarten gemeinsam seinen Ängsten zu stellen; beim Wildwasserrafting zusammen an die Grenzen zu gehen; beim Fallschirmspringen kollektiv den Adrenalinkick zu erleben – Keine Frage, das alles fördert die Teambildung. Denn gemeinsam erlebte Ausnahmesituationen schweißen zusammen. Und sie machen unentdeckte Seiten der Kollegen und Vorgesetzten sichtbar.

Doch der graue Alltag hält weitere 229 Arbeitstage bereit. Wer sich als Führungskraft auf punktuelle Events verlässt, wird kläglich scheitern. Teambuilding ist ein kontinuierlicher Prozess. Wie er gelingt? Indem alle Beteiligten bereit sind, die Perspektive zu wechseln.

Tipp 2: Sieh Dich als Dein Teammitglied

Fang mit Dir an. Aber nicht, indem Du Dich in Dein Gegenüber hineinversetzt. Um neue Sichtweisen klug und konstruktiv integrieren zu können, solltest Du zwischen Deiner eigenen Innen- und Außenperspektive hin- und herswitchen können.

Reflektiere Dich zunächst selbst. Mach Dir Deine eigenen Stärken, Schwächen, Werte, Einstellungen, Überzeugungen und Emotionen bewusst. Dieser Blick nach innen bewahrt Dich davor, wertvolle neue Sichtweisen zu verpassen.

Tipp 3: Wähle unterschiedliche Team-Charaktere

Sicher kennst Du das auch: Bei der Personalauswahl und Teamzusammenstellung findest Du die Kandidaten sympathisch, die Dir ähnlich sind. Das ist normal, ja sogar evolutionsbedingt. Aber auch überholt. Denn du brauchst genau das Gegenteil.

Für eine gute Mischung solltest Du denjenigen auswählen, der anders ist, der Dich und das Team sinnvoll ergänzt. Zwar müssen alle Mitglieder die gleichen Werte und Ziele teilen, um in die gleiche Richtung zu ziehen. Aber die Stärken und Präferenzen der einzelnen müssen sich ergänzen. Nur so seid ihr für alle Anforderungen optimal aufgestellt.

Du benötigst also einen bunten Strauß von Teamrollen. Damit sind zwar Konflikte vorprogrammiert. Aber sie schaffen die notwendige Reibungsenergie für eine konstruktive Entwicklung.

Tipp 4: Diese Persönlichkeiten braucht Dein Team

Der „Macher“ agiert handlungsorientiert und treibt den Prozess vor. Währenddessen steht für den „Teamarbeiter“ das soziale Miteinander im Fokus. Er möchte, dass es allen gut geht.

Der „Wegbereiter“ hat ein schnelles Tempo und richtet den Blick nach außen. Im Gegensatz dazu blickt der „Perfektionist“ nach innen und vermeidet alles, was vom direkten Weg auf das Ziel ablenkt.

Der „Neuerer“ hat Spaß an neuen Ideen, ist kreativ, innovativ und eher spielerisch. Demgegenüber achtet der „Umsetzer“ auf die praktische Machbarkeit und hält vieles Kreative für durchgeknallt.

Der „Koordinator“ übernimmt die Abstimmung und Verteilung der Aufgaben. Für die rationale Sicht von oben und ein verlässliches Urteil über die Vorgehensweise ist der „Beobachter“ zuständig. Und schließlich bereichert der „Spezialist“ das Team durch sein fundiertes Fachwissen.

Du siehst: Hier prallen Welten aufeinander. Gleichzeitig wird deutlich, dass alle genannten Kompetenzen wichtig sind – wenn auch in unterschiedlichen Phasen der Projekt- oder Produktentwicklung.

Tipp 5: Fördere die Wertschätzung für Andersdenkende

Unternehmen und Teams werden erst durch die Vielfalt der Stärken, Persönlichkeiten und Präferenzen der einzelnen Mitarbeiter erfolgreich. Dies setzt allerdings voraus, dass jeder die Andersartigkeit als notwendig anerkennt. Und den Kollegen mit ehrlicher Wertschätzung und Einsicht gegenübertritt.

Ein Topspieler wird zum Troublemaker, sobald er den Wertehorizont eines anderen Menschen infrage stellt und ihm seine eigene Weltsicht überstülpen will.

Als Führungskraft solltest Du Deinem Team diese wertschätzende Haltung konsequent vorleben. Es sollte immer erkennbar sein, dass unterschiedliche Sichtweisen willkommen sind und berücksichtigt werden müssen.

Tipp 6: Löse Teamkonflikte aus der Vogelperspektive

Und wenn es mal richtig kracht, heißt es: Raus aus dem Trubel der akuten Situation. Sonst ist die Gefahr der destruktiven Eskalation groß. Häufig sind wir zu nah am Geschehen dran, haben unsere innere Kamera auf Zoom gestellt. Das führt zu Emotionen. Also Schnitt, weg von dieser Nahaufnahme des persönlich eingeschränkten Blickwinkels.

Besser ist es, die Kamera mit einer Drohne in die Vogelperspektive zu schicken – so hoch, bis der nötige Überblick über die gesamte Situation geschaffen ist. Von dort ist es für das Team wieder möglich, das Verbindende zu sehen.

Tipp 7: Motiviere deine Mitarbeiter zum Perspektivwechsel

Im nächsten Schritt können alle gemeinsam die unterschiedlichen Perspektiven beleuchten. Dabei sollte jeder dem anderen zuhören und ihn verstehen wollen. Dieser Prozess ist erst abgeschlossen, wenn jeder die Gelegenheit hatte, seine eigene Sichtweise zu schildern und sich von der positiven Absicht der anderen überzeugen konnte.

Fazit: Der Wechsel der Perspektiven, der Blick auf das Große und Ganze und die Wertschätzung für den anderen ist ein notwendiger und wertvoller Prozess im Teambuilding. Denn genau jetzt wird jedem einzelnen klar: Erst unsere Unterschiede machen uns zu einem unschlagbaren Team.

Der Autor

Klaus Vollmer arbeitet seit 20 Jahren als Wirtschaftspsychologe, Berater und Coach in Essen. In seinem Buch „Perspektivenwechsel als Methode“ schildert er anschaulich, wie man aus gewohnten Denkmustern und altbekannten Konfliktschleifen ausbricht. Psychologische Theorien, Modelle und Methoden verpackt er in konkrete und bildhafte Beispiele und gibt konkrete Handlungsempfehlungen. Ein praxisorientierter Ratgeber – nicht nur für Führungskräfte.

www.klaus-vollmer.com

Artikel PT-Magazin für Wirtschaft und Gesellschaft, 06.06.2019

Nutzen Sie den Perspektivenwechsel als effektives Werkzeug in Change-Prozessen

Unternehmen sind kontinuierlich dem Wandel unterworfen. Egal, ob sie eine neue Software einführen oder ganze Unternehmen fusionieren: Jede Veränderung birgt reichlich Konfliktpotenzial. Abhilfe in dieser schwierigen Situation schafft ein Perspektivenwechsel. Mit Blick auf die folgenden 5 Aspekte setzten Sie Veränderungsprozesse effektiv um:

1. Blick in die Zukunft: Machen Sie die Veränderung emotional erlebbar

Geplante Veränderungen beruhen meistens auf rationalen Notwendigkeiten. Sie sollen Kosten reduzieren, Markanteile, Effizienz oder die Zufriedenheit erhöhen. Doch wer sich in der Umsetzungsphase allein auf rationale Argumente beruft, wird kläglich scheitern. Denn Mitarbeiter lassen sich nur schwer durch Zahlenkolonnen oder grafische Darstellungen motivieren. Um ihre Herzen zu gewinnen, müssen Sie – über die rationalen Argumente hinaus – ihre Emotionen ansprechen. Machen Sie den Veränderungsprozess mit möglichst vielen Sinnen erlebbar: Wie wird die Situation nach der Umstrukturierung aussehen? Was wird sich verbessert haben? Wie fühlt es sich an, unter den neuen Bedingungen zu arbeiten?

Entwickeln Sie eine bildhafte Sprache, um die Veränderung plastisch darzustellen. Wer nicht nur weiß, sondern spürt, welche Vorteile die neue Situation mit sich bringt, wird sich leichter tun, den Umsetzungsprozess voranzutreiben.

2. Blick in die Vergangenheit: Begegnen Sie vergangenen Leistungen mit Wertschätzung

Unternehmen – und die Menschen, die darin arbeiten – haben eine Geschichte. Aus dem, was sie in der Vergangenheit erreicht haben, speist sich ihr Selbstverständnis, ihre Identität. Soll Neues entstehen, muss gleichzeitig von Altem Abschied genommen werden. Dieser Prozess ist für die Beteiligten schmerzvoll. Gerade neue Führungskräfte sehen oft nur die Defizite. Damit kratzen sie am Selbstwert der Mitarbeiter. Und provozieren gegebenenfalls Widerstände.

Machen Sie Ihrem Team deutlich, dass die heutigen Strukturen aus der Historie heraus richtig waren. Und dass die Mitarbeiter auf die bislang erzielten Ergebnisse stolz sein können. Überlegen Sie gemeinsam, wie die Umstrukturierung sinnvoll realisiert werden kann: Was ist überholt und kann abgeschafft werden? Was kann unverändert übernommen werden? Was muss verändert oder ersetzt werden? So integrieren Sie Ihre Mitarbeiter wertschätzend und finden gleichzeitig konstruktive Lösungen.

3. Blick auf die wirkenden Kräfte: Finden Sie Beschleuniger und Hindernisse

Ist der Blick auf Vergangenheit und Zukunft geschärft, können Sie den Fokus auf die aktuelle Situation legen. Jede Veränderung in einem Unternehmen bewegt sich in einem Spannungsfeld entgegengesetzter Kräfte. Die einen fördern den Veränderungsprozess, die anderen behindern ihn. Erst, wenn Sie diese Zusammenhänge offenlegen, können Sie die richtigen Maßnahmen einleiten.

Nutzen sie den Rückenwind: Arbeiten Sie heraus, welche Faktoren einem positiven Einfluss auf die angestrebte Veränderung haben und wie Sie diese mit den geeigneten Maßnahmen nutzen können. Überwinden Sie den Gegenwind: Machen Sie transparent, welche hemmenden Kräfte wirken und wie sie reduziert oder abgebaut werden können.

4. Blick auf die Menschen: Berücksichtigen Sie die Emotionen Ihrer Mitarbeiter

Ihren angestrebten Änderungen liegen betriebswirtschaftlich kluge Analysen zugrunde. Mit rationalem Kalkül haben Sie Marktanteile, Kosten, Prozesse und Strukturen geplant. Doch erst, wenn Sie es schaffen, positive Emotionen bei Ihren Mitarbeitern hervorzurufen, wird sich der gewünschte Erfolg einstellen.

Menschen sind nicht gemacht für ständige schnelle Veränderungen – auch wenn diese noch so nötig sind. Deshalb gilt: Fühlen Sie sich in Ihre Mitarbeiter ein. Zeigen Sie Verständnis für ihre Ängste und gehen Sie darauf ein. Wenn Sie die Betroffenen zu Beteiligten machen und früh in die Planungen einbeziehen, nutzen Sie ihr Know-how und beugen unangebrachten Ängsten vor. Die Balance zwischen wertschätzender Empathie und notwendiger Abgrenzung sichert Ihnen das nötige Vertrauen in Ihre fachlichen und menschlichen Kompetenzen als Führungskraft.

5. Blick nach innen: Reflektieren Sie sich als Führungskraft

Stellen Sie sich vor Veränderungsprozessen einige Fragen: Wie geht es mir beim Gedanken an die Veränderungen? Welche Zweifel, Ängste, Hoffnungen sind für mich damit verbunden? Diese Perspektive schafft die Voraussetzung, wirkungsvoll und überzeugend vor Ihre Mannschaft zu treten. Erst wenn Sie sich Ihren eigenen Zweifeln und Emotionen gestellt und zufriedenstellende ehrliche Antworten gefunden haben, werden Sie die notwendige Außenwirkung erzeugen können.
Innere Konflikte sind normal. Sie begleiten differenziert denkende Führungskräfte bei allen komplexen Fragen. Nutzen Sie Ihre Zweifel als Hinweise, um Fehlentwicklungen vorzubeugen und Risiken zu reduzieren. Damit schaffen Sie die notwendigen Voraussetzungen für den Erfolg. Um ein Unternehmen klug entwickeln zu können, müssen Sie selbst bereit sein, beweglich zu bleiben.

Fazit: Um Veränderungen im Unternehmen erfolgreich umzusetzen, hilft Ihnen ein Perspektivenwechsel. Die genannten Blickwinkel sind nicht linear. Wechseln sie während des Prozesses bewusst zwischen ihnen. Wichtig ist nur, dass Sie keinen vernachlässigen. Denn nur zusammen führen sie zum Erfolg.

changeX – IN DIE ZUKUNFT DENKEN, 06.06.2019

Stopp, andere Perspektive

Klaus Vollmer über Perspektivenwechsel

Interviewfragen: Winfried Kretschmer

Ob beruflich oder privat: Häufig hindern uns festgefahrene Denkmuster und eingeschränkte Blickwinkel daran, unsere Persönlichkeit weiterzuentwickeln und konstruktiv mit anderen zu interagieren. Der Perspektivenwechsel ist ein wirkungsvoller Weg aus dieser inneren Sackgasse. Sagt der Wirtschaftspsychologe Klaus Vollmer.

Klaus Vollmer arbeitet seit 20 Jahren als Wirtschaftspsychologe, Berater und Coach in Essen. In seinem Buch Perspektivenwechsel als Methode - erschienen im Beltz Verlag - verpackt er psychologische Theorien, Modelle und Methoden in konkrete und bildhafte Beispiele und gibt Handlungsempfehlungen.

Herr Vollmer, Perspektivenwechsel als Methode heißt Ihr Buch - Methode wofür?

Eine Methode für die vielfältigsten Bereiche des Lebens: Sie hilft dabei, innere Blockaden abzubauen, aus überholten Mustern auszubrechen, Ängste zu überwinden und die persönliche Entwicklung selbst in die Hand zu nehmen. Außerdem verbessert sie das Zusammenleben und Zusammenarbeiten.

In den zwanzig Jahren als Coach habe ich eines festgestellt: Wir stehen uns viel zu oft selbst im Weg. Der Perspektivenwechsel gibt uns Strategien an die Hand, um Situationen aus anderem Blickwinkel zu sehen. Damit bauen wir der Sackgasse im Kopf eine Ausfahrt. Und schaffen die Voraussetzung für ganz neue ungeahnte Möglichkeiten und Lösungen.

Was kann ein Wechsel der Perspektive bewirken?

Was mich an der Methode so begeistert, ist, dass ich sie in ganz unterschiedlichen Situationen wirkungsvoll einsetzen kann: Wenn ich in meinem eigenen destruktiven Gedankenkarussell gefangen bin oder wenig nützliche Emotionen mir das Leben schwer machen, ermöglicht mir der Perspektivenwechsel die notwendige innere Distanz. Dadurch kann ich wieder auf meine Stärken und Ressourcen zugreifen.

Im Kontakt oder auch im Konflikt mit anderen - ob privat oder beruflich - verschafft mir der Perspektivenwechsel die Möglichkeit, mich in mein Gegenüber hineinzuversetzen. Ich kann es dann besser verstehen oder gegebenenfalls auch durchschauen, je nach Zielsetzung.

Und schließlich ist der Perspektivenwechsel ein nützliches Werkzeug in der Teamarbeit. Hier treffen unterschiedliche Charaktere aufeinander. Das ist für den Erfolg notwendig, führt aber häufig zu Konflikten. Mit Blick auf die verschiedenen Sichtweisen und Präferenzen arbeiten alle viel konstruktiver zusammen.

Wann ist ein Perspektivenwechsel sinnvoll? Oder gar geboten?

Spätestens, wenn ich merke, dass ich gedanklich feststecke, meine Gedanken immer wieder um dasselbe kreisen und ich das Gefühl habe, blockiert zu sein.

Im Gespräch mit anderen wird es spätestens dann Zeit, wenn sich das Klima spürbar abkühlt, zunehmend Vorwürfe das Gespräch bestimmen oder die Gefahr für folgenschwere Missverständnisse besteht.

Und überall dort, wo Verschiedenheit oder Diversity - wie immer wir es auch nennen - notwendig ist oder aufeinandertrifft: ob in der Team- oder Projektarbeit, in Führungsgremien, Familien, Schulen oder anderen gesellschaftlichen Kontexten.

Also überall dort, wo das Verstehen des anderen vor jeder weiteren Handlung stehen sollte.

Wie schafft man einen Perspektivenwechsel?

Ich bin überzeugt, dass jeder im Alltag den Perspektivenwechsel schon eingesetzt hat. Wenn ich allerdings seine vielfältigen Möglichkeiten nutzen und ihn bewusst in kritischen Situationen einsetzen möchte, muss ich zunächst eines tun: den Blick nach innen schärfen. In meinem Buch spreche ich vom "inneren Messfühler". Ich muss mir zwischendurch immer wieder klarmachen, was mir gerade durch den Kopf geht. Welche konkreten Gedanken oder auch inneren Dialoge führe ich? Wie geht es mir emotional? Wenn ich mich in dieser Weise selbst beobachten kann, habe ich die Voraussetzung dafür geschaffen, den Perspektivenwechsel bewusst zu nutzen, wenn ich ihn brauche.

Der konkrete innere Startschuss für den gezielten Wechsel der Perspektive sieht dann bei jedem anders aus. Für die einen reicht es aus, zu sich selbst zu sagen: "Betrachte die Situation mal aus einem anderen Blickwinkel." Andere wiederum nutzen eine bildhafte Unterstützung vor ihrem inneren Auge, zum Beispiel eine Filmklappe. Mit der Regieanweisung "Klappe, nächste Einstellung" können sie dann konkret eine andere Perspektive auf die Situation entwickeln.

Gibt es so etwas wie eine Grundregel für den Perspektivenwechsel?

Wenn ich die Methode wirklich auf eine einzige Grundregel herunterbrechen soll, dann lautet sie für mich: Es gibt nie nur die eine einzige richtige Perspektive.

Damit verschaffe ich mir die notwendige Offenheit, ohne meine eigene Sichtweise unterordnen zu müssen.

Welche Methoden können dabei helfen, die Perspektive zu wechseln?

Mit der Filmklappe habe ich es bereits angedeutet: Ich benutze im Buch Beispiele aus dem Filmbereich und spiele mit Techniken der Kamera, der Regie oder auch des Filmschnitts. Solche Vergleiche oder Metaphern helfen uns, den Perspektivenwechsel im Alltag einzusetzen. Vom Film kennen wir die verschiedensten Methoden für den Perspektivenwechsel. Die Kamera spielt mit unterschiedlichen Bildausschnitten: Mal sehen wir das Panorama, das Große und Ganze, mal nur die Details. Die Regie nutzt den Blick in die Vergangenheit, in die Zukunft oder dehnt die Gegenwart. Sie zeigt das farbige Glück, aber auch den grauen Alltag und schildert das Geschehen aus verschiedenen Erzählperspektiven. Und je nach Darstellung erleben wir die Situation völlig anders. Als Kameramann/-frau und Regisseur/in unserer eigenen Situationen können wir genauso verfahren.

Haben Sie eine Lieblingsmethode?

Ehrlich gesagt: Mir gefallen alle Methoden, die ich anführe, sehr gut - und besonders der spielerische Wechsel zwischen ihnen. Eine Technik setze ich allerdings häufig im Alltag ein, wenn mal etwas nicht so gut gelaufen ist: den Blick aus der Zukunft zurück. Ich frage mich dann: "Was wirst du wohl in einem halben Jahr über diese Situation denken?" Und dann werden die meisten Pannen des Alltags doch sehr klein.

Wer ein Problem hat, sieht oft nur noch das Problem. "Teufelskreis" oder "den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen" sind Bilder, die unsere Sprache dafür bereithält. Sie haben vom "Gedankenkarussell" gesprochen.
Wie kann man in einer solchen Situation einen Perspektivenwechsel erreichen?

Hier ist ein gutes Frühwarnsystem mehr als die halbe Miete. Ich habe vorhin vom "inneren Messfühler" gesprochen. Je früher ich merke, dass ich mich im Kreis drehe, umso leichter wird es mir fallen, einen anderen Blickwinkel einzunehmen. Mir selbst zu sagen: "Stopp, andere Perspektive!" Wenn wir erst einmal so richtig in Wallung gekommen sind, wird es sehr viel schwieriger, gegenzusteuern. Besser ist es, frühzeitig gedanklich in den Helikopter zu steigen, über die vielen Bäume zu fliegen und den ganzen Wald wieder in seiner Pracht zu sehen.

Noch mal ganz konkret: Wie erreiche ich einen Perspektivenwechsel, wo ich doch immer mehr in einer Perspektive gefangen bin?

Es gibt viele Möglichkeiten. Ich versuche, einige davon auf den Punkt zu bringen:

Sobald die ersten Gedanken kreisen, drücken Sie den inneren Startknopf für den Perspektivenwechsel. Wenn möglich sagen Sie laut und vernehmlich: "Stopp." Sollte die Situation das nicht zulassen, lassen Sie Ihre innere Stimme sprechen. Oder nutzen Sie gedanklich die vorhin beschriebene Filmklappe.

Wechseln Sie die Körperhaltung. Mit aufrechtem sicherem Stand, Blick nach oben und geraden Schultern lässt sich ein mutloser Blick auf die Welt kaum vereinbaren. Probieren Sie es aus!

Vergegenwärtigen Sie sich, dass es immer viele mögliche Perspektiven gibt, und dann gehen Sie auf die Suche nach der nützlichsten.

Blicken Sie in die Vergangenheit, auf ähnliche Situationen, die Sie erfolgreich gemeistert haben. Oder gehen Sie in die Zukunft, stellen sich vor, das Problem sei gelöst, und fragen sich, welche Schritte Sie dorthin gegangen sind.

Fragen Sie sich, welchen Blick auf die Situation Ihnen wohlmeinende Freunde empfehlen würden.

Wie lässt sich ein Perspektivenwechsel trainieren?

Seien Sie offen für Neues und bleiben Sie neugierig. Hören Sie Menschen mit anderen Ansichten - vielleicht auch aus anderen Kulturen - genau zu. Versuchen Sie zu verstehen, was sie zu ihrer Sichtweise veranlasst.

Vermeiden Sie es, sofort in den Bewertungsmodus zu schalten. Es geht auch nicht darum, eine andere Sichtweise zur eigenen zu machen. Jeder hat das Recht auf seine eigene Perspektive. Aber neue, bisher unbekannte Sichtweisen können uns bereichern. In meinem Buch habe ich 15 verschiedene Perspektiven beschrieben. Es lohnt sich, sie immer mal wieder bewusst einzunehmen, vom Advocatus Diaboli über Justitia bis hin zum Dalai-Lama. Ein sehr spannendes Training.

Warum ist es so wichtig, die Perspektive wechseln zu können? Worin liegt die Bedeutung? Ermöglicht das Vielfalt, Diversität?

Das Ermöglichen von Vielfalt und Diversität ist ein ganz wesentlicher Aspekt. Ihm kommt innerhalb von Unternehmen und Organisationen, aber auch in anderen gesellschaftlichen Kontexten eine immer größere Bedeutung zu. Vorhin haben wir bereits das Thema Team- oder Projektarbeit angesprochen. Aber auch uns selbst verschafft der Perspektivenwechsel ein wirkungsvolles Repertoire. Mit ihm können wir uns selbst steuern - und damit unsere Resilienz steigern. Ich persönlich halte die Fähigkeit zum Perspektivenwechsel für eine wesentliche Kernkompetenz der heutigen Zeit.



Zitate

"Es gibt nie nur die eine einzige richtige Perspektive." Klaus Vollmer: Stopp, andere Perspektive

Über den Autor


Klaus Vollmer schloss sein Psychologiestudium an der Ruhr-Universität Bochum mit den Schwerpunkten Arbeits- und Organisationspsychologie sowie Klinischer Psychologie ab.
Von 1987 bis 2000 arbeitete er in verschiedenen Funktionen in den Versicherungskonzernen Colonia und AXA, unter anderem als Personalentwickler, Personalleiter und Mitglied der Geschäftsleitung einer Niederlassung.
Seit dem Jahr 2000 arbeitet Klaus Vollmer freiberuflich als Berater, Coach und Trainer im Bereich Managementdiagnostik, Veränderungsmanagement, Prozessberatung, Organisations- und Teamentwicklung, Konfliktmanagement, Einzel- und Teamcoaching. Hier hat er die Methode des Perspektivenwechsels weiterentwickelt und wendet sie erfolgreich an. Diese Methode will er mit seinem Buch Teamleitern, Führungskräften, Psychologen, Coaches, Trainern, Lehrern und interessierte Leser vermitteln – als ein Weg, Konflikte konstruktiv zu lösen, die eigenen Stärken zu erkennen und die der anderen wertzuschätzen. Er hat dazu verschiedene Perspektiven entwickelt, die auf unkomplizierte Weise innere Blockaden lösen und in der Kommunikation Konflikte verhindern.

Er hat zudem seit 2001 verschiedene Tätigkeiten als Dozent der Akademie der Ruhr-Universität Bochum erfüllt und war als Lehrbeauftragter der Psychologischen Fakultät tätig.

Klaus Vollmer

Durch seine fortlaufenden Aus- und Weiterbildungen in systemischer Beratung und systemischem Coaching (Zentrum für systemische Forschung und Beratung, Heidelberg), NLP (NLP Professional, Münster), Sport-Mentaltraining (Heidelberger Akademie für Gesundheitsbildung) sowie seine absolvierte Prüfung als Heilpraktiker für Psychotherapie lässt er neue Erkenntnisse in seine Forschungen zum Perspektivenwechsel einfließen.

Klaus Vollmer ist zertifiziert als Senior-Coach des Berufsverbands Deutscher Psychologen sowie für die folgenden Verfahren und Instrumente: Hogan Persönlichkeitsassessments, Belbin-Teamanalyse, PEP® Prozess- und Embodimentfokussierte Psychologie.
Zu seinen Kunden zählen Unternehmen aus IT, Medien, Medizin und Gesundheit, Einzelhandel, Versicherung, Dienstleistung und Soziales sowie politiknahe Institutionen.

Kontakt

Sollten Sie weitere Informationen wünschen, haben Sie hier die Möglichkeit, eine Nachricht zu senden.


Ihre Nachricht wurde erfolgreich versendet.
Bitte geben Sie eine gültige E-Mail Adresse und eine Nachricht ein.